Auftakt der zentralen Veranstaltungen

Sonntag, 08. März 2020

ZUKUNFTSFRAGEN DER KIRCHE UND DES BISTUMS IM GESPRÄCH

Kaiserslautern. SEGENSORTE – so ist der Visionsprozess des Bistums Speyer überschrieben. In der Kammgarn Kaiserslautern wurde am Sonntag, den 8. März, die Reihe von insgesamt fünf zentralen Veranstaltungen eröffnet, die das Motto „Ihr sollt ein Segen sein“ an verschiedene Orte der Pfalz tragen will. „Es ist eine ungewöhnliche Veranstaltung und Zusammensetzung, an einem ungewöhnlichem Ort“, sagte Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann in seinen Eingangsworten. An diesem Ort der Industriekultur wolle man sich der Frage stellen, „wie wir unseren Beitrag leisten können mitten in die Gesellschaft hinein“. Es gehe darum, den Raum zu öffnen, für alle Menschen, denen Leben, Glauben und Kirche ein Herzensanliegen sei. „Wozu sind wir da? Was ist unsere Aufgabe in dieser Gesellschaft?“ Das seien Leitfragen bei dem begonnenen Visionsprozess. Der Bischof rief zur Beteiligung auf: „Es ist ein offener Prozess und es gibt keinen fertigen Plan. Der Plan – das sind wir alle.“

Rund 130 Jugendliche, Frauen und Männer waren zur Auftaktveranstaltung SEGENSORTE gekommen. Felix Goldinger, Geschäftsführer des Visionsprozesses, zeigte sich begeistert vom Auftakt: „Der Zuspruch ist total klasse. Und es ist super, dass sich die Leute darauf einlassen können, wie wir hier etwas ,verrückt‘, quer und kreativ mit dem Thema Segen umgehen.“ So war es zum Beispiel möglich, eine „Segensdusche“ zu nehmen. In buntem Licht und Nebel kam man unter der „Dusche“ dem Begriff „Segen“ näher, der hier mit anderen Wörtern gefüllt wurde: So etwa „Hoffnung“, „Friede“ oder „Stille“. Wer wollte, konnte außerdem am Beginn des Vormittags den „Segensparcours“ begehen. Verschiedene Impulsfragen führten durch den Weg. Der Parcours lud auch zu einem besonderen Perspektivwechsel ein. Menschen – alt, jung, ledig, verheiratet, geschieden, verrieten mit einem Einblick in ihr Leben, was sie ausmacht, umtreibt, glücklich macht oder hemmt. Gesammelt wurden unter den Teilnehmenden auch Umschreibungen für den Begriff „Segensorte“: Diese sind „offen“, „freundlich“, „bereichernd“, „gottvoll“ oder „himmlisch“. Aber vor allem waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Parcours dazu eingeladen, Themen für die folgenden Gesprächsgruppen zu sammeln.

In insgesamt zwölf Gruppen wurden unter anderem über Willkommenskultur, politisches Handeln, Bildung in Kindertagesstätte und Schule, Leitung und Ehrenamt, Glaubwürdigkeit, Frauen, Jugend, Ökumene oder Leben in den Pfarreien diskutiert. In einer Runde ging es zudem um das Verhältnis von Tradition und Innovation, in einer anderem um spirituelle Erneuerung oder um kirchliche Öffentlichkeitsarbeit. „Es sind viele Themen dabei, die wichtig und zentral sind für die Zukunft in unserem Bistum“, sagte Felix Goldinger. An einem Infotisch wurde zudem über den bundesweiten „Synodalen Weg“ der katholischen Kirche in Deutschland informiert, und es konnten Meinungen zu den dortigen Themen ausgetauscht werden. „Die Leute hier legen die Finger in die Wunden“, beobachtete Generalvikar Andreas Sturm. „Und zugleich ist viel Ermutigendes und Hoffnungsvolles zu erfahren. Es sind viele Ansätze für Segensorte zu erkennen.“

Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein Gottesdienst im großen Saal der Kammgarn, musikalisch besonders eindrucksvoll gestaltet mit Konzertflügel, Saxophon, Schlagzeug und Bass. In seiner Predigt nahm Bischof Wiesemann sehr stark Bezug auf den Synodalen Weg: „Manche sehen die Kirche an einem ausweglosen Punkt. Bei der Eröffnung des Synodalen Wegs habe ich etwas anderes erlebt: Trotz aller Unterschiedlichkeit ist ein offener Raum entstanden des leidenschaftlichen Ringens.“ Der Speyerer Bischof teilte einem Gottes- und Kirchenbild eine Absage, das meint, eindeutig zu sein. „Gott selbst ist es, der alle Eindeutigkeit sprengt. Kirche ist kein geschlossenes System.“ Christen hätten nicht auf alle Fragen und Probleme der Welt eine Lösung. „Aber was wir unseren Zeitgenossen schuldig sind, sind Horizonte der Hoffnung. Die wird es in einem geschlossenen, starren System nicht geben.“ Applaus gab es mehrmals für die Predigt, aber ebenso auch für die Band unter Leitung des Landauer Kirchenmusikers Horst Christill.

Die Veranstaltungsreihe SEGENSORTE wird am Samstag, 21. März, in Annweiler fortgesetzt.

Weitere Informationen (und Anmeldung): segensorte.bistum-speyer.de

Text: Hubert Mathes, Foto: view