Liebe ist ein Segen

Gestern bestätigte Rom die Ablehnung einer Segnung homosexueller Paare durch die katholische Kirche. Damit wird bekräftigt, was derzeit Lehrmeinung der Kirche ist. Formal war die entsprechende Ablehnung insofern zu erwarten und überrascht nicht.
Wir sind aber der Meinung, dass die Diskussion über die bestehende Lehrmeinung nicht aufhören sollte. Sie muss diskutiert und angefragt werden, weil sie de facto eine Abwertung von Paaren bedeutet. Es ist nicht mehr vermittelbar, dass katholische Kirche in homosexuellen Parterschaften nicht zuerst die Würde der Person und den Wert der Liebe und wechselseitigen Verantwortung sieht, sondern lediglich generell abzulehnende Lebensformen.

Segen ist ein großes Geschenk Gottes: Jede:r kann Segen brauchen; ein gutes Wort, einen Zuspruch, Hoffnung in ausweglosen Lagen, Unterstützung für den Alltag. Deshalb geht Kirche mit dem Segen auch in geradezu verschwenderischer Weise um: Vom Rosenkranz bis zum Gebäude, vom Kind bis zum Sterbenden. Wer sind wir, dass wir als Kirche Gottes Segen verweigern könnten? Kirche kann nicht Segensort werden, wenn sie nicht segnet. Das ist es aber, was wir uns im Bistum Speyer zum Ziel gesetzt haben: Wir wollen Segensort sein. Damit sind wir nicht alleine. Daran halten wir fest.


Der Visionsprozess zeigt deutlich, dass Gläubige in unserem Bistum sich Segen wünschen. Wer in Treue, Fürsorge und Liebe eine dauerhafte Partnerschaft pflegt, soll in der Kirche, die ihr/ ihm Heimat geworden ist, auch Segen für ihre/seine Paarbeziehung finden.

Es sprechen gewichtige humanwissenschaftliche und theologische Gründe dafür, katholische Sexualmoral weiterzuentwickeln. Dabei geht es nicht darum, Werte unachtsam über Bord zu werfen. Es gilt vielmehr, Werte wie Treue, Verlässlichkeit und wechselseitige Verantwortung in allen Facetten partnerschaftlichen Lebens wertzuschätzen.

Der Synodale Weg widmet sich mit einem der vier Foren auch der Frage nach der Sexualmoral der katholischen Kirche. Die personale Identität und die Würde des Menschen spielen in den ersten Entwurfspapieren eine zentrale Rolle. Wir unterstützen ausdrücklich den Fokus auf eben diese Werte.

Ein veränderter Blick auf Sexualität – auch auf Homosexualität – wird entscheidend dafür sein wird, inwieweit Kirche Relevanz im gesellschaftlichen Leben hat und inwiefern sie ihre Akzeptanz im ethischen/humanwissenschaftlichen Bereich wahren kann.